Aufruf Jugendbündnis 1. Mai Braunschweig 2017

Her mit dem schönen Leben – Gemeinsam für eine solidarische Gesellschaft!

Die aktuelle gesellschaftliche Dynamik wird zurzeit einmal mehr geprägt durch wirtschaftliche Krisen und der damit einhergehenden ausgrenzenden Politik gegen ihre Verlierer*innen. Ein ohnehin schon seit langem zu beobachtendes Auseinanderdriften von Arm und Reich verstetigt sich und der kapitalistische Krisenprozess tritt offen zutage: Ob in prekären Beschäftigungsverhältnissen (wie befristete Verträge oder Leiharbeit), einer zunehmenden Jugendperspektivlosigkeit (vor allem in den Ländern Südeuropas) oder einer sich verschärfenden Wirtschaftssituation durch steigenden Konkurrenz- und Wettbewerbsdruck.

Die Jugend auf Suche nach Wohnraum

Neben dem Rechtsruck und den wirtschaftlichen Krisenprozessen wirkt sich die aktuelle Lage auch auf unser unmittelbares Leben in und um Braunschweig ganz konkret aus. Ohne Unterstützung der eigenen Eltern wird es zum Beispiel durch die hohen Mietpreise und die soziale Wohnungsnot in Braunschweig sehr schwierig für junge Menschen ein eigenes Leben zu starten. Allein seit Beginn unseres Jugendbündnisses im Jahr 2011 sind die Mietpreise pro Quadratmeter in Braunschweig um fast 40 Prozent gestiegen. Dazu gibt es kaum ein Angebot an sozialem Wohnungsbau.

Die Welt im Wandel

Vermeintliche Antworten auf diese Probleme kommen gegenwärtig und seit je her vor allem in Form stark verkürzter und menschenverachtender Erklärungsmuster von Rechts. Durch eine Re-Nationalisierung erhoffen sich viele die Wiederherstellung früherer Zustände und im verklärend-reaktionären Taumel wird dann das „Hochziehen von Grenzzäunen“, „ein Europa der Vaterländer“ und ein „Ausstieg aus der EU“ gefordert.

★ Make Feminism a Threat Again! ★

Als weiterer Teil dieses Wunsches steht der Versuch, die Erfolge bisheriger feministischer Kämpfe aufzuheben. Beispielhaft stehen dafür die Forderung, Abtreibung erneut zu kriminalisieren oder Bemühungen mittels „Herdprämie“ Frauen zurück in die Küche zu schicken.
Es verwundert nicht, dass die Verherrlichung starrer Geschlechterrollen sowie des bürgerlichen Familienbildes (Vater, Mutter und Kinder) als Idealvorstellung gegen ein selbstbestimmtes Leben in Stellung gebracht wird.

Diesen Rückschritten stellen wir uns entgegen. Ziel unseres feministischen Kampfes ist dabei nichts weniger als die Abschaffung des Patriarchats!

Insgesamt sind ein zunehmender Rechtsruck und ein antidemokratisches Verhalten der Gesellschaft wahrnehmbar. Das Gebrüll einer rechten Minderheit wird von der „vermeintlichen Mitte“ übernommen und ist so längst im gesellschaftlichen und politischen Alltag angekommen. Die Abstimmung über den Brexit in Großbritannien, die Wahl eines offen auftretenden Rassisten ins Weiße Haus der USA und auch die zunehmende Abschottung Europas und Deutschlands, einhergehend mit beschleunigten Abschiebungen, Bürgerwehren (die „unsere Frauen“ vor „Fremden“ beschützen wollen) und zum Normalzustand werdendem Racial Profiling, zeigen deutlich:
Es wird Zeit gegen die rassistischen und nationalistischen Zustände aufzustehen und Widerstand zu organisieren.

♥ Unsere Alternative: Das schöne Leben ♥

Für uns ist klar, dass es ein schönes Leben für alle im Kapitalismus nicht geben kann und dass seine Widersprüche nicht einfach durch eine „sozialere“ oder „gezügelte“ Marktwirtschaft zu beheben sind. Unsere Antwort auf die aktuelle Krisendynamik ist daher eine auf Solidarität, Emanzipation und Freiheit aufbauende Gesellschaft. In dieser haben Ausbeutung, Spaltung und Diskriminierung keinen Platz. Unsere Ziele zur Errichtung dieser Gesellschaft sind die Überwindung des Kapitalismus und die Abschaffung jeglicher Formen von Ausbeutung und Ausgrenzung!

/// Heraus zum 1. Mai! ///

Wir schließen uns jedes Jahr zum 1. Mai zusammen, weil uns die unterschiedlichsten, tagtäglichen Kämpfe miteinander verbinden. Diese machen deutlich, dass gerade in Zeiten des Rechtsrucks ein geeinter Protest durch eine emanzipatorische Alternative sichtbar gemacht werden muss! Denn egal ob im Betrieb, Uni, Schule, Viertel, Stadion, Parlamenten oder sonstwo: Nationalismus, Rassismus, Anti-Feminismus und Abschottung sind keine Alternativen, wir stehen für ein solidarisches und diskriminierungsfreies Handeln! Jeder Mensch soll einen Anspruch auf ein schönes Leben haben.